Henning Köhler, 1951-2021

»Es könnte einen ethischen Minimalkonsens geben, eine Verständigungsebene inmitten der babylonischen Sprachverwirrung unserer Zeit, über alles ideologische Gezänk, alle religiösen und weltanschaulichen Grenzen hinweg: Liebe zu Kindern.«


»Völliger Verzicht auf Gewalt gegenüber Kindern. Sozialgestaltung nach Maßgabe des Kindeswohls. Das ist der Schlüssel. Die Ethik unter dem bethlehemischen Stern ist christlich im tiefsten Sinn und gerade deshalb überkonfessionell. Wer von Christus nichts hören will, dem kann man auch sagen: Schau ein Kind an, schau es wirklich an, und du begegnest dem Wunder, dass in dir die Möglichkeit zur selbstlosen Liebe schlummert.«

Henning Köhler und die Dorfschule

Im Jahr 2004 trat die Schulgründungsinitiative an Henning und sein Kollegium im Janusz Korczak Institut mit der Frage heran: „Wenn ihr euch eine Schule wünschen könntet, wie sähe sie aus?“. Damit begann eine intensive Begleitung der Dorfschule durch Henning.

Seit 2007 besuchte Henning die Schule dreimal im Jahr. Er hielt dann einen Vortrag für die Eltern, hospitierte im Unterricht und besprach anschließend seine Wahrnehmungen und Anregungen mit dem Kollegium. Diese Gespräche waren oft klärend, stets sehr hilfreich und manchmal auch eine sanft-kritische Regulative. Henning schaffte es immer wieder mit viel menschliche Wärme, die nicht direkt sichtbaren Gründe für ein auffallendes Verhalten bei Kindern sichtbar und verständlich zu machen, übte kein Kritik an uns Lehrer sondern versuchte (fast) immer geduldig, uns an seine unerschöpflichen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

Wenn Henning zu Besuch in die Freie Dorfschule kam, durften auch die Schüler sich einen Gesprächstermin wünschen, manchmal wollte das eine ganze Klasse. Besonders Schüler aus den Jahren 2010 bis 2018 werden diese Gespräche noch gut in Erinnerung haben.

„Der Weihnachtsmann ist wieder da!“ riefen die Schüler wenn sie Henning sahen, nicht nur eine lustige Anspielung auf seiner Gestalt und weißen Bart. Darin schwang auch der Ausdruck der Freude, das Vertrauen und dieses besondere Gefühl mit: „Hier kommt jemanden, der will mich sehen, sehen wer ich wirklich bin, und das hilft mir, dies auch zu sein.“

Einige Schüler/Eltern der Dorfschule durften auch unter Hennings Führung die Freude des „schützenden Kreises“ erleben: Diese Zusammenkünfte mit Lehrern und Eltern waren bestimmt von der innere Haltung, das wir in der Runde so bedacht und wertfrei über das betreffende Kind sprachen, dass es sich geehrt fühlen würde, wenn es an dem Gespräch teilhaben würde. Der schützende Kreis ermöglicht die Gestaltung einer tragenden, hüllenbildenden Gemeinschaft als heilende Geste für ein in Bedrängnis geratenes Kind.

Die verschiedenen Impulse, die Henning der Gemeinschaft der Dorfschule mit auf dem Weg gab, versuchen wir nun gemeinsam weiter zu führen.

In tiefer Dankbarkeit,

Pauline Schmidt

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